Datenmodell Bohrdaten

Die Kenntnis über den Aufbau des Untergrundes rückt aufgrund vermehrter und vielfältiger werdender Nutzung immer stärker in den Fokus von Verwaltung und Öffentlichkeit. Durch Bohrungen erzeugte Bohrdaten sind eine der wichtigsten Informationsquellen. Die Landesgeologie hat in Zusammenarbeit mit Vertretern von Bund, Kantonen, Privatwirtschaft und Universitäten mit dem „Datenmodell Bohrdaten“ eine erste Empfehlung für die Strukturierung von digitalen Bohrdaten erarbeitet.

Bohrgerät im Betrieb, Bohrkern in Holzkisten, UML-Klassendiagramm des Datenmodells Bohrdaten
Bohrgerät im Betrieb und frische Bohrkerne im Vordergrund (links), Bohrkern in Holzkisten (Mitte), UML-Klassendiagramm des Datenmodells Bohrdaten.
© S. Brodhag

Was ist ein Datenmodell für Bohrdaten?

Ein Datenmodell für Bohrdaten definiert nach Empfehlungen des Bundes  für Geodatenmodelle die digitalen Daten, die aus der Bohrung stammen. Sie sind in Themen, Klassen und Attributen strukturiert und z. B. in einem sogenannten Objektkatalog tabellarisch und in hierarchischer Reihenfolge aufgelistet. In grafischer Form kann man ein Datenmodell z. B. in einem UML-Klassendiagramm modellieren.

Wie ist das Datenmodell Bohrdaten aufgebaut?

Das Datenmodell Bohrdaten ist in einen Inneren und Erweiterten Kern sowie den Modulen strukturiert:

  • Der Innere Kern beschreibt die grundlegendsten Eigenschaften, die eine Bohrung definieren. Ohne die Angabe von Eigenschaften wie z. B. die Tiefe oder die Koordinaten ergibt eine Weiterverwendung dieser Bohrdaten keinen Sinn.
  • Der Erweiterte Kern ergänzt den Inneren Kern um einige wichtige und grundlegende Attribute, wie z. B. die Bohrmethode, den Bohrzweck und ob Grundwasser erreicht wurde.
  • Innerer und Erweiterter Kern werden durch Module ergänzt, die detaillierte Angaben zu Themenkreisen, die mit einer Bohrung zusammenhängen, beschreiben. Dies sind z. B. das geologische Schichtenprofil, der Ausbau und die Instrumentierung des Bohrloches, geotechnische, geophysische, geothermische und hydrogeologische Parameter, Bohrloch-Messresultate usw.

Warum ist ein gemeinsames Datenmodell Bohrdaten wichtig?

  • Ein Datenmodell erleichtert und gestaltet den Austausch von Bohrdaten sowie die Recherche nach ihnen effizienter, da die gleichen Daten in derselben Form strukturiert sind. Der Austausch und die Nutzung der Daten stehen damit im Vordergrund.
  • Ein Datenmodell strukturiert und harmonisiert Daten. Es legt den Detaillierungsgrad des Dateninhaltes fest und verlangt präzise Definitionen, die dadurch den Qualitätsstandard der Daten festlegen. Des Weiteren zeigt es die Beziehungen und Abhängigkeiten der Daten untereinander auf.
  • Durch diese Strukturierung, Harmonisierung und den Qualitätsstandards stellt es eine „gemeinsame Sprache“ dar, die es allen beteiligten Akteuren ermöglicht, die Daten schneller und effizienter zu verstehen und zu interpretieren, bzw. weiterzuverarbeiten.
  • Eine Strukturierung der Daten hat ausserdem Auswirkung auf den gesamten „Lebenszyklus“ der Datenerhebung: von der Erfassung der Daten über die Haltung, den Austausch/die Verbreitung, die Nutzung und Auswertung/Weiterverwendung. Auch eine differenzierte Weitergabe der Bohrdaten durch Zugriffsbeschränkungen auf verschiedenen Stufen ist möglich.
  • Schliesslich sind die Daten durch die standardisierte Strukturierung als Zeichen oder Zeichenketten auch noch nachhaltig interpretierbar. Sie können technisch weder veralten noch müssen sie ständig aktualisiert werden.
     

Wie geht es weiter?

Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurde der Innere und Erweiterte Kern im vorliegenden Datenmodell Bohrdaten erarbeitet. Damit ist das Bohrdatenmodell längst noch nicht abgeschlossen. Weitere Themenkreise, die im Zusammenhang mit Bohrdaten stehen wie alle dokumentarischen Angaben (Bericht, Autor, Datum, etc.), Ausbau und Instrumentierung des Bohrloches, die Geologie und das Schichtenverzeichnis, Hydrologie, geothermische und geotechnische Daten, Bohrloch-Messungen und deren Resultate, Qualität der erhobenen Daten, 3D-Pfad der Bohrung und Bohrprozess etc., sind in Arbeit und werden modular dem Datenmodell hinzugefügt werden.

Dokumentation


Wissen

Sabine Brodhag Dr. phil. nat., Geologin
Wissenschaftlicher Mitarbeiterin
swisstopo / Landesgeologie
Seftigenstrasse 264
Postfach
3084 Wabern
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+41 58 469 05 38

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