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Quartärgeologie

Das Quartär ist der jüngste Zeitabschnitt der Erdgeschichte: Die letzten 2,6 Millionen Jahre. Es ist gekennzeichnet durch die Erscheinung der Mensch sowie wiederholte Eiszeit/Warmzeit Zyklen, welche die Gebirge und deren Umfeld stark beeinflussten.

3D-Schnitt durch die Region Birrfeld (AG)
3D-Schnitt durch die Region Birrfeld (AG): Neben dem Verlauf der Erdoberfläche und der Felsoberfläche sind die vorhandenen Lockergesteinsbohrungen ersichtlich (© swisstopo).

Kurzbeschreibung

Die heutigen Reliefformen der Schweiz gehen weitgehend auf die Wirkung von Gletschern, Flüssen und Frost des quartären Eiszeitalters zurück, und zwar vor allem auf die Vergletscherungen im Verlauf der letzten eine Million Jahre. Über Lockergesteine wie Moränen, Eisrandterrassen und Schotterkörper lässt sich die damalige Eisausdehnung rekonstruieren. In den Tälern sind die Schichten am mächtigsten: bis zu einigen hundert Metern. Viele dieser Ablagerungstypen enthalten die wichtigsten genutzten Grundwasservorkommen der Schweiz. Sie stellen natürliche Ressourcen dar – Kies ist ein Beispiel – oder eignen sich als Böden für den Ackerbau.

Who is who

Quartärgeologie: Who is who

Die Abteilung Quartäre Geologie und Paläoklimatologie an der Universität Bern erforscht im Bereich der Rekonstruktion zahlreicher Umwelt- und Klimaveränderungen in der Vergangenheit, vor allem während der Quartären Epoche.

 

Die Schweizerische Gesellschaft für Quartärforschung (CH-QUAT) versteht sich als Schnittstelle für WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Forschungs- und Praxisbereichen, die sich mit Eiszeitalter (Quartär) und insbesondere den Aspekten Mensch - Umwelt - Klima auseinander setzen.

 

Bundesamts für Landestopografie swisstopo, Landesgeologie

 

International Union for Quaternary Research (INQUA)

Daten

Wie sah die Schweiz während des Maximums der letzten Eiszeit aus? Welche Gebiete waren vom Eis bedeckt? Eine paläogeografische Karte mit neuesten Forschungsergebnissen rekonstruiert den Zustand.

Geologische Karten und Modelle zur Mächtigkeit von Lockergesteinen (mehrheitlich Quartär) bilden eine wichtige Grundlage für Wissenschaft und Praxis.
 

Die Schweiz während des letzteiszeitlichen Maximums LGM

Die letzteiszeitlichen Gletscher erreichten ihre maximale Ausdehnung vor rund 24‘000 Jahren. Der grösste Teil der Schweiz lag unter einem bis zu mehrere hundert Meter dicken Panzer aus Gletschereis. Diese Situation stellt die paläogeografische Karte «Die Schweiz während des letzteiszeitlichen Maximums» dar, informell meist LGM-Karte genannt (Last Glacial Maximum). Sie illustriert die neusten Resultate der Eiszeitforschung, für die mehrere Jahre Feldarbeit notwendig waren: Zum Beispiel galt es, eiszeitliche Ablagerungen wie Findlinge oder eiszeitliche Geländeformen wie Moränen zu kartieren und nach neuesten Methoden zu datieren. Die Karte enthält wichtige Neuerungen wie die Bestimmung der inneralpinen Eishöhen mit grossen Eisdomen, deren Oberfläche auf 2’900 bis 3’100 m ü. M. lag; dazu kommt ein auf ähnlicher Höhe gelegenes Eisplateau im südlichen Mattertal.

Die LGM-Karte gibt ein erdgeschichtliches Ereignis wieder, das die heutige Oberflächengestalt der Schweiz massgeblich prägte und zum Beispiel auch für die Bildung und Verteilung der wirtschaftlich wichtigen Kiesvorkommen (als Rohstoff und Grundwasserträger) bedeutend ist. Aus der Gletscherausdehnung lässt sich darüber hinaus die mittlere Jahrestemperatur während des Höhepunkts der letzten Eiszeit bestimmen, die rund 12°C unter dem heutigen Wert lag.


Felshöhe und Mächtigkeit der Lockergesteine

Seit den 1980er Jahren wurden durch geologische, seismische und gravimetrische Messungen und Bohrungen Daten erhoben, um regionale Modelle der Felshöhe der Schweiz zu erstellen. Der Dichtekontrast zwischen ungefestigten Sedimenten und dem älteren und tieferen Festgestein ermöglicht es, die Mächtigkeit der Lockergesteine mit gravimetrischen Methoden zu berechnen und auf Karten festzuhalten.

Basierend auf geologischen Karten, einschlägigen Publikationen und mehreren tausenden Bohrdaten wurde die Felshöhe der Schweiz in den letzten Jahren sukzessive und hochauflösend modelliert. Das vorliegende zusammengesetzte Modell ist mit dem digitalen Höhenmodell (DHM25) von swisstopo kompatibel. Die Mächtigkeitskarte ist eine Synthese bereits veröffentlichter Dokumente, der Werte, die durch Inversion der Bouguer-Anomalien erzielt wurden, und der von Nagra gelieferten Daten. 


Grundlagen der Geologie

Die Schweiz während des letzteiszeitlichen Maximums

Die Schweiz während des letzteiszeitlichen Maximums (Vektorkarte)

Mächtigkeit des Lockergesteins & Höhenmodell der Felsoberfläche