Kultur

Natursteine sind als Baumaterial, Gebrauchsgegenstände und Träger von Botschaften Teil unserer Kultur: Die ältesten Kulturzeugnisse sind genauso aus Stein wie die Werke heutiger Künstler, Architekten oder Ingenieure.

Brunnenbecken aus Aaregranit
Brunnenbecken aus Aaregranit eines Findlings, Staatsarchiv Luzern (um 1737)
© Francis de Quervain

Kurzbeschreibung

Der Stein und seine Bedeutung in der Kultur: ein weites Thema – denn Kultur ist praktisch alles, was Menschen machen. Steine sind Rohstoffe der Natur mit einer sehr breiten Palette von Eigenschaften. Sie reichen von sehr hart bis sehr weich, von massig bis dünnschiefrig, mit einer schier unerschöpflichen Struktur- und Farbenvielfalt von tiefschwarz bis hochweiss. Welches Gestein jeweils eingesetzt wird, hängt von technischen und ästhetischen Erfordernissen des konkreten Objekts ab. Auch wirtschaftliche Faktoren beeinflussen die Wahl.

Stein: unverzichtbar für Architektur und Kunst

Steine werden vielfältig genutzt: zum Bauen, als Träger von Botschaften, als Schmuck- oder Gebrauchssteine. Mengenmässig am bedeutendsten ist die Verwendung in der Bautechnik. Trotz moderner Materialien wie Beton, Asphalt, Stahl und Glas ist der Naturstein bis heute in Hoch- und Tiefbau ein konkurrenzfähiges Produkt geblieben.
Brunnen, Mühl- und Marksteine sind vor allem historisch wichtige Steinanwendungen. In der Bildhauerei, Schmuckherstellung und weiteren Kunst- und technischen Spezialanwendungen spielt Stein weiterhin eine wichtige Rolle.

Im natürlichen Aufschluss erzählen Gesteine dem Geologen ihren Werdegang über die Jahrmillionen. Am Kulturobjekt erzählt jeder Stein seine geologische Geschichte – und seine "Kulturgeschichte“! Im handwerklich und künstlerisch gestalteten Objekt aus Stein – sei es eine Skulptur oder ein Bauwerk – überlagern sich Geologie, Bau- und Wirtschafts- sowie Handwerksgeschichte.

Kathedrale Chur
Kathedrale Chur: Quadermauerwerk, Pfeiler und Bogen aus sandigem Kalkschiefer (Bündnerschiefer aus dem Scaläratobel, Scalärastein), Gewölberippen aus Kalktuff aus der Umgebung von Chur
© Konrad Zehnder

Mühlstein (Aaregranit)
Mühlstein, datiert 1644. Findlingsgranit aus dem Reusserratikum (Aaregranit). Unterlage Muschelkalkstein (gehörten wohl nicht zusammen).
© Francis de Quervain, 1968

Denkmalpflege: eine wichtige interdisziplinäre Aufgabe

Das gebaute Kulturerbe zu erhalten und zu erforschen, ist eine gesellschaftliche Herausforderung: gerade in der heutigen Zeit, die vor allem nach Kriterien der Wirtschaftlichkeit und Nützlichkeit handelt. Denkmalpflege ist eine kontinuierliche, disziplin-übergreifende Aufgabe nicht nur der nationalen, kantonalen und kommunalen Fachstellen: Baufachleute, Handwerker, Restauratoren, Kunstschaffende, Geschichts-, Natur- und Konservierungswissenschaftler bemühen sich gemeinsam mit den verantwortlichen Eigentümern um den Erhalt der Kulturdenkmäler.

Who is who

Einen offiziellen Ansprechpartner in Bezug auf Gesteine an Kulturgütern in der Schweiz gibt es nicht. Die Fachgruppe Georessourcen Schweiz engagiert sich jedoch auch auf diesem Gebiet. Nationale, kantonale und kommunale Fachstellen sowie viele Museen befassen sich mit Kulturgütern aus Stein. Hochschulinstitute und private Labors führen Untersuchungen durch, Restauratoren erledigen jegliche Unterhaltsarbeiten.

Daten

Publikationen

  • Frühe Hinweise zum Stein als Baustein finden sich in der Geologie der Schweiz von Bernhard Studer 1851
  • Die natürlichen Bausteine und Dachschiefer der Schweiz. (GS-05), P. Niggli, U. Grubenmann, A. Jeannet & R. Moser, 1915 (vergriffen)
  • Die nutzbaren Gesteine der Schweiz. Dritte, vollständig neu bearbeitete Auflage / Francis de Quervain, 1969.
  • Die mineralischen Rohstoffe der Schweiz. Das Standardwerk über die mineralischen Rohstoffe der Schweiz in Buchform und auf CD-ROM.
  • Steine schweizerischer Kunstdenkmäler: neu bearbeitete Sammlung von Abhandlungen aus den Jahren 1961-1978 / Francis de Quervain. - Zürich: Manesse, 1979. (Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich; Band 3)
Geodaten
Sammlungen
  • Die Sammlungen “Die natürlichen Bausteine und Dachschiefer der Schweiz“ und “Die nutzbaren Gesteine der Schweiz“ wurden im Zusammenhang mit dem Erscheinen der betreffenden Standardwerke angelegt. Sie umfassen ca. 500 bzw. 300 Handstücke mit Dünnschliffen. Die Sammlungen werden von der Fachgruppe Georessourcen Schweiz unterhalten und können nach Absprache eingesehen werden.


Geologie im Alltag

ETH Zürich Departement Erdwissenschaften
Fachgruppe Georessourcen Schweiz
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Naturwerksteine an Bauwerken