Baugrund

Der Baugrund ist für die professionelle Ausführung von Bauprojekten zu evaluieren, zu beschreiben und im Detail zu untersuchen.

Baugruben-Sicherung durch Spundwände
Baugruben-Sicherung durch Spundwände
© Reto Wagner, Kellerhals+Haefeli AG, Bern

Kurzbeschreibung

Als Baugrund wird im Bauwesen der Grund aus Locker- oder Festgestein im Bereich eines Bauvorhabens oder einer Fundation bezeichnet. Gemäss DIN 4020, Abs. 3.1 handelt es sich bei Baugrund um “Boden bzw. Fels einschliesslich aller Inhaltsstoffe (z.B. Grundwasser und Kontaminationen), in und auf dem Bauwerke gegründet bzw. eingebettet werden sollen bzw. sind, oder der durch Baumassnahmen beeinflusst wird“.

Besonders wichtig sind die Eigenschaften des Baugrunds in Hinblick auf das Fundament eines Bauwerks. Wesentlich ist dabei die Tragfähigkeit: die Fähigkeit, Lasten aus dem Bauwerk aufzunehmen, ohne dass es dabei zu wesentlichen Setzungen kommt oder ein Grundbruch eintritt. 

Die Baugrunduntersuchung: fundamental wichtig

Der Baugrund setzt sich aus verschiedenen Boden- oder Gesteinsschichten zusammen. Je nach Kontext ist mit dem Grundwassereintritt im Baugrund zu rechnen. Dann sind angepasste Baumassnahmen nötig: Das Grundwasser kann beispielsweise durch eine Pumpoperation abgesenkt werden.

Die Eigenschaften des Baugrunds werden in erster Linie von den Bodenarten und den Bodenklassen bestimmt. Diese Eigenschaften als Funktionen des geologischen Kontextes können sehr heterogen sein. Die initiale Baugrunduntersuchung zur geotechnischen Charakterisierung des Bodens und der Gesteine stellt daher eine wichtige Etappe in jedem Bauprojekt dar.

In der Schweiz werden der Baugrund, die Baugrunduntersuchung und die entsprechenden Baugrundklassen in den Normen SIA 261, SIA 261/1, SIA 267 und SIA 267/1 näher beschrieben.

 

 

Who is who

Ohne Grund kein Bau. - Die wichtigsten Akteure für das Thema Baugrund auf einen Blick.

Die meisten Geologie-Büros führen im Alltag Baugrunduntersuchungen durch. Eine kantonsbezogene Liste ist zu finden im Adressenverzeichnis der Schweizer Geowissenschaften: Geoscience Switzerland.

Adressenverzeichnis der Schweizer Geowissenschaften: Geoscience Switzerland

Für theoretische und forschungsorientierte Aspekte, sind folgende Institute und Kommissionen wichtige Ansprechpartner im Zusammenhang mit dem Thema Baugrund:

Institut für Geotechnik der ETH Zürich
Wolfgang-Pauli-Str. 15
ETH Zürich, HIL C 13.2
CH-8093 Zürich

Tel. +41 44 633 25 25
E-Mail
Website (Englisch)

Das Institut für Geotechnik befasst sich mit Boden- und Gesteinsmechanik, Tonmineralogie, geotechnischem Ingenieurwesen und Umweltgeotechnik. Das Institut ist verantwortlich für Unterricht und Forschung, verfügt über hoch spezialisierte Laboratorien und Feldanalytik und bietet verschiedene Dienstleistungen an.

Ingenieurgeologie der ETH-Zürich
ETH Zürich
Geologisches Institut, Ingenieurgeologie
Sonneggstrasse 5
CH-8092 Zürich

Tel. +41 44 632 36 65
Fax +41 44 632 10 80
Kontaktformular
Website (Englisch)

Die Gruppe für Ingenieurgeologie ist Teil des Geologischen Institutes der ETHZ. Sie betreibt Grundlagenforschung und untersucht hydraulische und mechanische Prozesse in zerbrochenen Gesteinsmassen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden täglich in den Bereichen Tunnelbau, Naturgefahren, Geothermie oder für die nachhaltige Grundwassernutzung umgesetzt.

Labor für Experimentelle Felsmechanik der ETH-Lausanne (LEMR)
(Laboratoire expérimental de mécanique des roches)

EPFL ENAC IIC LEMR
GC D1 401 (Gebäude GC)

Station 18
CH-1015 Lausanne

Tel. +41 21 69 32372
Contact
Website (Englisch)

Das Labor für Experimentelle Felsmechanik der ETH-Lausanne (LEMR) ist Teil der Fakultät für Umwelt, Architektur und Bau ENAC (Faculté de l'environnement naturel, architectural et construit ENAC). Das Labor ist in Forschung, Unterricht und Dienste mit folgenden Schwerpunkte tätig: Felsmechanik, Felsphysik, Charakterisierung von tiefliegenden Reservoirs (gekoppelte thermo-hydro mechanischen Prozesse), sowie Ingenieurgeologie (Tunnelbau und Untertagebauten).

Geozentrum Burgdorf
Berner Fachhochschule
Architektur, Holz und Bau
Pestalozzistrasse 20
CH-3401 Burgdorf

Tel. + 41 34 426 41 74
Fax + 41 34 426 43 94
E-Mail
Website (Geozentrum Burgdorf)
Website (Berner Fachhochschule)

Das Geozentrum Burgdorf ist eine Kollaboration der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau mit dem Institut für Geologie der Universität Bern. Die Labore des Geozentrums für Geotechnik und Ingenieurgeologie unterstützen die Lehr- und Forschungstätigkeiten der beiden Institutionen und führen vielseitige Materialprüfungen durch.

Erdwissenschaftliches Institut der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI)
(L'Istituto scienze della Terra)
Trevano, CP 72
CH-6952 Canobbio

Tel. +41 (0)58 666 62 00
Fax +41 (0)58 666 62 09
E-Mail
Website (Italienisch)

Das Institut ist Teil des Departements für Umwelt, Bau und Design der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI). Es beschäftigt sich mit der Verwaltung und dem Schutz der Umwelt und seiner Ressourcen. Fachgebiete: Geologie, Geotechnik, Hydrologie, Hydrogeologie, Geomatik.

Schweizerische Geotechnische Kommission (SGTK)
ETH Zürich
NO F 35
Sonneggstrasse 5
CH-8092 Zürich

Tel. + 41 44 632 37 28
Fax + 41 44 632 12 70
E-Mail
Website

Die SGTK stellt in Zusammenarbeit mit der Landesgeologie, dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) und mit privaten Geologinnen und Geologen die Geotechnische Karte der Schweiz 1:200 000, die Hydrogeologische Karte 1:100 000 sowie regionale Baugrundkarten her.

Daten

Der Baugrund ist für die professionelle Ausführung von Bauprojekten zu evaluieren, zu beschreiben und im Detail zu untersuchen.

Bei der Sammlung und Evaluierung von Baugrunddaten sind zu berücksichtigen:

  • geologische und hydrogeologische Verhältnisse
  • Morphologie
  • Seismizität
  • Naturgefahren
  • Bauplatzgeschichte
  • Kontamination des Bodens


Die Baugrundbeschreibung beschafft die massgebende Baugrundinformationen und umfasst:

  • geologische, hydrogeologische und geotechnische Karten einschliesslich beschreibender Literatur
  • Gefahrenkarten (Lawinen, Steinschlag, Rutschungen)
  • Luftaufnahmen
  • Altlastenkataster
  • Datenbanken und Archive
  • Informationen aus benachbarten Sondierungen
  • Erkenntnisse aus benachbarten oder vergleichbaren Bauvorhaben und Bauwerken.
  • Vorhandensein von Grundwasser und Schutzvorschriften


Die Baugrunduntersuchung muss in hinreichender Qualität alle Daten liefern über die Baugrund- und Grundwasserverhältnisse, die für die Projektierung, Ausführung und Nutzung des Bauwerks erforderlich sind. Sie erfolgt stufenweise:

Voruntersuchung
Erhebung und Auswertung relevanter Informationen, die für den Entwurf und die Planung der Hauptuntersuchungen erforderlich sind

Hauptuntersuchung
Erarbeitung von Grundlagen für die

  • Tragwerksanalyse (inkl. eine ausreichend sichere und wirtschaftliche Bemessung des Tragwerks)
  • Planung der Bauausführung
  • Abschätzung geotechnischer und bautechnischer Schwierigkeiten und Risiken, die während Bauausführung und Nutzung auftreten können
  • Beurteilung der Wirkung von Erbeben und Naturgefahren

     
Detailuntersuchung
Sind die Baugrundverhältnisse zu komplex, werden vertiefte Untersuchungen durchgeführt, die basierend auf Feld- und Laborversuchen die Detailabklärung spezieller geologischer, geotechnischer und hydrogeologischer Phänomene erlauben.


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